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    Saugverwirrung - wenn das Stillen plötzlich nicht mehr klappt

    • Autorenbild: Bindungswerk
      Bindungswerk
    • 14. Apr.
    • 4 Min. Lesezeit

    Du stillst seit Wochen, alles läuft gut und dann, von einem Tag auf den anderen, dreht dein Baby den Kopf weg, schreit an der Brust oder saugt irgendwie anders als sonst. Oder vielleicht hast du sogar den Eindruck, dein Baby weiß mit der Brust nichts mehr anzufangen. Was ist passiert? Eine mögliche Erklärung ist die Saugverwirrung oder Saugpräferenzverschiebung, wie es in der Fachsprache heißt. Und das Wichtigste vorab: Das ist kein Versagen. Weder von dir noch von deinem Baby.


    In diesem Artikel erfährst du, was eine Saugverwirrung wirklich ist, wie sie entsteht, woran du sie erkennst und du bekommst SOS-Tipps, wie du sie lösen kannst.


    Mutter stillt Baby - Saugverwirrung erkennen und beheben
    Foto von Ana Curcan auf Unsplash

    Was ist eine Saugverwirrung?


    Eine Saugverwirrung beschreibt eine Situation, in der ein Baby an der Brust verwirrt wirkt, weil es verschiedene Saugtechniken kennt und plötzlich Schwierigkeiten hat, zwischen ihnen zu wechseln oder die für das Stillen notwendige Technik abzurufen.


    Das Saugen an der Brust ist aktiv und komplex. Es erzeugt mit Zunge einen Unterdruck, positioniert die Brustwarze tief im Mund und massiert-saugt die Milch mit rhythmischen Zungenbewegungen aus der Brust. Das ist, gerade nach der Geburt, echte Arbeit. Eine Flasche oder der Schnuller funktionieren nach einem anderen Prinzip - hier fließt die Milch oft schon durch einen leichten Druck, oder das Baby saugt passiv und "nuckelig". Wenn ein Baby beide Saugformen kennt, kann es passieren, dass es die Flaschen- oder Schnullertechnik an die Brust überträgt (weil das für das Baby viel weniger arbeitsaufwendig ist) und dann nicht mehr effektiv an der Brust stillt und schneller frustriert ist.


    Wichtig ist, dass nicht jedes Baby gleichermaßen "anfällig" für eine Saugverwirrung ist. Manche Babys und Kleinkinder bekommen eine, andere können easy zwischen verschiedenen Saugmustern hin und her wechseln.



    Wie entsteht eine Saugverwirrung?


    Eine Saugverwirrung beim Stillen entsteht häufig dann, wenn ein Baby regelmäßig zwischen Brust und Flasche oder Schnuller wechselt. Besonders gerne in einer Phase, wenn das Saugmuster für das Stillen an der Brust noch nicht gefestigt ist.


    Grundsätzlich kann eine Saugverwirrung aber auch bei älteren Säuglingen oder Kleinkindern auftreten. Auch ein Baby mit sechs, acht oder achtzehn Monaten kann plötzlich Schwierigkeiten bekommen, z.B. wenn im Rahmen der Beikost zusätzlich Wasser in einem Trinklernbecher oder einer Flasche mit Strohhalm angeboten wird.


    Häufige Auslöser sind:


    • Zufütterung per Flasche in der Klinik oder zu Hause

    • (Frühzeitiges) Anbietes eines Schnullers

    • Häufiger Wechsel zwischen Brust und Flasche über einen längeren Zeitraum

    • Einführung neuer Trinkgefäße, z.B. Trinklernbecher oder Becher mit Strohhalmen

    • Wenn nach einer (ungewollten) Stillpause wieder gestillt wird.



    Woran erkenne ich eine Saugverwirrung?


    Eine Saugverwirrung kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Manche Babys schreien direkt an der Brust, anderen zeigen subtilere Signale. Achte auf folgende Zeichen:


    Dein Baby...


    • dreht den Kopf weg oder schiebt die Brust weg.

    • schreit oder ist unruhig beim Anlegen.

    • saugt kurz an, lässt dann los und fängt wieder von vorne an.

    • saugt nur vorne an der Brustwarze.

    • stillt nur sehr kurz und hat spürbar Hunger.

    • bekommt auf einmal Probleme mit der Gewichtszunahme.

    • bevorzugt die Flasche und lehnt die Brust ganz ab.


    Nicht jedes dieser Signale bedeutet automatisch eine Saugverwirrung. Manchmal stecken auch andere Ursachen dahinter. Wenn du aber mehrere Zeichen zusammen beobachtest und sie mit einem veränderten Saugmuster zusammenhängen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.


    Bei älteren Säuglingen und Kleinkindern ist es nicht immer einfach, die Ursache für eine Saugverwirrung zu erkennen. Häufig hängt es mit der Gabe von Wasser während der Beikost zusammen, vor allem, wenn Trinklernbecher oder Flaschen mit integrierten Strohhalmen angeboten werden. Aber auch Stillpausen können eine Ursache sein, wenn z.B. das Kind und die Stillende übers Wochenende getrennt waren.



    Was kann ich bei einer Saugverwirrung tun?


    Erstmal nicht in Panik verfallen. Eine Saugverwirrung ist in den meisten Fällen gut zu begleiten. Du musst nicht einfach abwarten oder aufgeben. Hier sind Ansätze, die helfen können:


    • Saugalternativen reduzieren oder weglassen Wenn möglich, verzichte bis auf Weiteres auf alle anderen Sauger. Ist ein kompletter Verzicht nicht möglich, hilft es auch, den Einsatz zu reduzieren oder stundenweise zu pausieren.

    • Zufüttern ohne Flasche Falls dein Baby zugefüttert werden muss, gibt es stillerhaltende Alternativen zur Flasche. Deine Hebamme oder eine Stillberaterin können dir hier weiterhelfen, die für dich bestmögliche Alternative zu finden.

    • Viel nackt Kuscheln Der Haut-zu-Haut Kontakt wird so oft unterschätzt und ist dabei so wertvoll. Auch bei einer Saugverwirrung. Entspannt kuscheln, ohne Anlegedruck oder Erwartungen, kann dein Baby neu einladen, die Brust als einen sicheren und schönen Ort zu erleben.

    • Den richtigen Moment wählen Lege dein Baby an, wenn es noch entspannt ist - und nicht schon vor Hunger weint. Ein entspanntes oder gar schläfriges Baby ist oft viel offener für die Brust als ein weinendes.

    • Milchfluss anregen Bei ungeduldigen Babys hilft es, vor dem Stillen die Brust zu massieren und schon mal mit der Hand Milch zu gewinnen. Dann hat dein Baby schnell schon Erfolgserlebnisse und hat viel mehr Motivation weiter zu trinken.

    • Professionelle Begleitung holen Eine erfahrene Stillberaterin kann eure Situation einschätzen, dich beim Anlegen beobachten und gemeinsam mit dir herausfinden, was wirklich hinter dem Verhalten steckt. Manchmal ist es keine Saugverwirrung, sondern eine andere Ursache, z.B. ein verkürztes Zungenband oder eine Saugschwäche.


    Besonders wenn das Baby noch jünger ist, lohnt sich eine engmaschige Begleitung durch eine Fachkraft. Je nach Ausgangslage kann es etwas dauern, bis das Stillen wieder richtig rund läuft und in dieser Übergangszeit kann die kindliche Gewichtsentwicklung ins Stocken geraten. Eine Stillberaterin oder Hebamme kann die Gewichtskurve im Blick behalten, bei Bedarf mit dir zusammen eine sichere Zufütterungsmethode entwickeln und dich durch diese Phase lotsen.



    Fazit: Saugverwirrung ist kein Grund zur Panik


    Eine Saugverwirrung ist keine Sackgasse. Sie ist ein Signal deines Babys "Ich tue mich gerade schwer, ich brauche deine Unterstützung." Und die kannst du geben. Mit Geduld, mit Nähe und, wenn nötig, mit der richtigen Begleitung an deiner Seite.


    Du kennst dein Kind am besten. Vertrau deiner Beobachtung und hol dir Hilfe, wenn du sie brauchst und gib dir und deinem Baby die Zeit, die ihr braucht.



    Hast du das Gefühl, dass bei euch eine Saugverwirrung vorliegt oder du bist dir unsicher? Melde dich gerne. Gemeinsam schauen wir, was dir und deinem Baby helfen kann.

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