Ist Muttermilch vegan?
- Bindungswerk

- 2. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Eine Frage, die einfach klingt und beim genauen Hinsehen ganz schön viel aufdeckt: über Definitionen, Werte und was Stillen wirklich bedeutet.
Ist Muttermilch vegan? Viele vegane Eltern stellen sich diese Frage und sie ist durchaus berechtigt. Immer mehr Menschen leben vegan und möchten wissen, ob Stillen mit ihren Werten zusammenpasst.Die Antwort hängt davon ab, was man unter Veganismus versteht: eine rein biologische Einordnung oder eine ethische Grundhaltung. In diesem Beitrag gehe ich auf beide Sichtweisen ein und komme am Ende zu einem ganz klaren Ergebnis.

Was sagt die Biologie? Muttermilch unter der Lupe.
Rein biologisch betrachtet ist Muttermilch das Sekret der Brustdrüse. Sie wird von einem Säugetier produziert, um den Nachwuchs zu ernähren. Damit ähnelt sie strukturell der Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen: Die Milch entsteht auf dieselbe Weise, in denselben Drüsen, für denselben Zweck.
Menschen sind biologisch gesehen Tiere.
Der Mensch gehört zur Gruppe der Säugetiere, genau wie Kühe, Schafe oder Ziegen. Wer Veganismus rein nach biologischen Kriterien definiert und grundsätzlich keinerlei Produkte von Tieren verwenden möchte, müsste Muttermilch konsequenterweise als nicht-vegan einordnen.
Die Sichtweise ist in sich stimmig. Sie lässt aber völlig außer acht, warum die meisten Menschen vegan leben: nicht wegen der biologischen Einteilung, sondern weil sie Tiere nicht ausbeuten oder leiden lassen wollen.
Was sagt die Ethik? Worum geht es beim Veganismus wirklich?
Veganismus bedeutet: kein Leid, keine Ausbeutung
Die Vegan Society, die den Begriff "vegan" 1944 eingeführt hat, beschreibt Veganismus als eine Lebensweise, die so weit wie möglich alle Formen der Ausbeutung von und Grausamkeit gegenüber Tieren vermeidet. Es geht also nicht darum, was biologisch von einem Tier stammt - sondern darum, ob ein Tier dabei leidet oder ausgebeutet wird.
The Vegan Society sagt: Breast is best.
Bei Kuhmilch ist das Problem klar: Kühe werden zur Milchproduktion gehalten, besamt, die Kälber werden kurz nach der Geburt von ihren Müttern getretnnt, die Tiere haben keine Wahl. Genau diese Form der Ausbeutung lehnt der Veganismus ab.
Muttermilch, die durch die Stillende freiwillig gegeben wird, hat damit nichts gemein. Kein Tier leidet, niemand wird gezwungen, es gibt keine Ausbeutung. Die große Mehrheit veganer Organisationen weltweit kommt deshalb zu dem Schluss: Stillen ist mit veganen Grundwerten vereinbar.
Fazit: Muttermilch ist vegan
Muttermilch ist vegan - wenn man Veganismus so versteht, wie er gedacht ist: Als Grundhaltung gegen das Leid und die Ausbeutung von Tieren. Wer sein Kind stillt, beutet kein Tier aus. Es gibt dem Kind genau das, wofür der menschliche Körper gemacht ist.
Stillen passt nicht nur zu veganen Werten, es hebt sie sogar auf besondere Weise hervor: Es braucht keine Tierhaltung, keine Verarbeitung und keine Verpackung. Es schont dazu Ressourcen und die Umwelt. Für vegane Familien ist Stillen eine natürliche und stimmige Entscheidung.
Die eigentliche Frage ist also nicht: "Darf ich als vegane Mutter stillen?" - denn die Antwort ist ein klares Ja! Die viel wichtigere Frage ist: Hast du die Unterstützung die du brauchst, um frei entscheiden zu können?
Ergänzung: Was ist mit der Freiwilligkeit?
Beim recherchieren veganer Werte und dem Schreiben dieses Beitrags, piekste mich die Wahlfreiheit sehr an. Denn für manche Stillende, fühlt es sich nicht wirklich nach einer Wahl an. Das hat jetzt nichts per se mit Veganismus zu tun, und ich werde es an anderer Stelle nochmal aufgreifen, möchte hier jedoch kurz ein paar Sätze da lassen.
Stillen ist für viele Stillende eine bewusste Entscheidung. Aber eben nicht für alle. Viele Stillende berichten, sich unter großem Druck zu fühlen: von der Familie, der Gesellschaft oder dem Gesundheitssystem.
Wenn eine Mutter stillt, obwohl sie es eigentlich nicht möchte, weil sie z.B. Angst vor Verurteilung hat, dann ist das keine freie Entscheidung. Das macht Muttermilch immer noch nicht nicht-vegan, aber es zeigt: Das Recht, selbst zu entscheiden, ob gestillt wird oder nicht, ist keine Selbstverständlichkeit und die Mütter brauchen im Zweifel Verständnis und Empathie.




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